Konstanz University Press
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Gebrauchsanweisung und Materialien

zu Robert Stockhammers Erdliteratur

Der Schuber zur Erdliteratur enthält Materialien, die auf dieser Webseite heruntergeladen werden können. Sie dienen der kritischen Beobachtung von Weltkonstruktionen. Eine solche Beobachtung erscheint besonders dringlich angesichts zweier aktueller erdumspannender Konstruktionen von ›Welt‹, die ineinander verwickelt sind, und deren eine Globalisierung, deren andere Anthropozän genannt wird. Diese ebenso wie ältere Weltkonstruktionen unter den verschiedensten Namen stützen sich nicht zuletzt auf verschiedenste diskursive Praktiken, auf literarische und wissenschaftliche (z. B. philosophische oder geographische) Texte, aber auch auf Karten, Globen und Photos. Artefakte aus all diesen Bereichen sind hier Gegenstand einer philologischen, also an Wörtern und graphischen Objekten orientierten Analyse.

Der Traktat mit dem Titel WEG nimmt dem ebenso verführungsmächtigen wie unvermeidbaren Wort Welt seine vermeintliche Selbstverständlichkeit, stellt also die Voraussetzung in Frage, es gebe (oder gäbe) ›Welt‹ und es sei klar, welchen räumlichen Umfang sie besitze, wen und was sie umfange. Stattdessen werden die Unterschiede zwischen verschiedenen Konzeptionen eines Ganzen betont, die unter den Namen Welt, Erde und Globus zirkulieren. Erde wird dabei zugleich als Figur des Beharrens auf demjenigen eingeführt, was in Ganzheiten nicht aufgeht, Erdliteratur entsprechend als heuristisch-kritischer Gegenbegriff zu Weltliteratur.

Für eine gelegentlich sympathetische, gleichwohl notwendigerweise Distanz haltende Beobachtung von Ganzheiten des Typs ›Welt‹ wäre es ein performativer Widerspruch, diese Beobachtung ihrerseits einer Ganzheit des Typs ›Buch‹ zu unterwerfen. Welt oder Globus hätten dann in ihrer Form je schon gegen Erde gewonnen.

Die hier vorgenommene Analyse besitzt drei Dimensionen: eine systematische, eine textorientierte und eine historische. Diese sind ineinander so verschränkt, dass keine den jeweils anderen über- oder untergeordnet werden kann, werden aber in den verschiedenen Materialien unterschiedlich gewichtet. Weder sei hier eine lineare Geschichte erzählt, noch lassen sich die historischen Unterschiede als bloße Varianten einem System subsumieren, noch auch ergeben sich alle analytischen Kategorien bruchlos aus Textlektüren. Deshalb kommen die hier verschachtelten Texte immer wieder auf bestimmte historische Stadien, analytische Kategorien sowie einzelne Artefakte zurück. Um diese Verschachtelung nachvollziehbar zu machen, werden viele Verweise mit → (gefolgt von Titel, meist auch Nummer des Abschnitts sowie gegebenenfalls des Unterabschnitts) gesetzt. Um Leser jeglichen Geschlechts gleichwohl nicht zum permanenten Springen zu zwingen, werden einige kleinere Wiederholungen in Kauf genommen.

Systematisch akzentuiert sind neben dem programmatischen Traktat auch Diagramme (die auch als Karteikarten vorliegen).

An jeweils einzelne bzw. wenige zusammenhängende Texte aus dem 16. bis 20. Jahrhundert sowie aus vier Sprachbereichen halten sich die Lektüren in den farbigen Heften, aber auch einzelne Abschnitte in den systematisch akzentuierten Texten. Die Auswahl der behandelten Texte folgt drei Kriterien, die nur in wenigen Ausnahmen nicht auf jeden von ihnen zutreffen: dass sie (1.) instruktive Beispiele textueller Weltkonstruktion sind, dass sie (2.) auf nicht unbedingt erdumspannende, mindestens aber interkontinentale Räume referieren, und dass sie (3.) in ihrer eigenen Faktur aus verschiedenartigen Bestandteilen zusammengesetzt sind.

Historisch akzentuiert sind die mit Formeln überschriebenen grauen Hefte. Die ersten beiden gelten entscheidenden Stadien in der Herausbildung dessen, was heute Globalisierung genannt wird: der (Er-)Findung der ›Neuen Welt‹ um 1503, unter der Formel I »Welt = Schiff ◦ Schrift |Erde|«, sowie der Entkopplung des Nachrichtenverkehrs vom Waren- und Personenverkehr um 1866, unter der Formel II »Welt = Draht ◦ Daten |Erde|«. Formel III (»Welt = Erde«) nimmt den Ausgang von aktuellen Debatten über das Anthropozän, schlägt aber einen Bogen in die Zeit der Entstehung von Landwirtschaft und Schrift zurück.

Auf die in das Literaturverzeichnis aufgenommenen Titel wird mit Kurztiteln sowie gegebenenfalls Angabe der Seite oder einer anderen textstrukturierenden Einheit verwiesen, auf die Abbildungen mit deren Nummer.

Formel I
Formel I
WELT = SCHIFF ◦ SCHRIFT |ERDE|
Formel II
Formel II
WELT = DRAHT ◦ DATEN |ERDE|
Formel III
Formel III
WELT = ERDE
Lektüre 1
Lektüre 1
EINE WELT, NEUE WELT, ›DIE‹ WELT
Lektüre 2
Lektüre 2
WELTKONSTITUTION ALS ERZÄHLPROGRAMM
Lektüre 3
Lektüre 3
WELTBÜRGERRECHT UND ›LITERATUR‹
Lektüre 4
Lektüre 4
WELTERFINDUNG UND -DURCHKREUZUNG
Lektüre 5
Lektüre 5
EINE LEKTÜRE IM GRAPHOZÄN

Abbildungen

Diagramme

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Verzeichnis
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Namenverzeichnis
Namenverzeichnis
Welt - Erde - Globus
Welt - Erde - Globus
Erdliteratur
Erdliteratur