
Georges Didi-Huberman
Aus dem Französischen übersetzt von Petra Willim
Sternensplitter
Im Gespräch mit Simon Hantaï
Aus dem Französischen übersetzt von Petra Willim
Für Georges Didi-Huberman ist der Künstler ein Erfinder von Orten, der Räumen eine Gestalt verleiht, die bis dahin unmöglich oder undenkbar war. Die Art von Orten, die Simon Hantaï erfindet, entsteht zunächst durch die Arbeit mit der Leinwand. Sie ist taktiles Material und Werkzeug für Abdrücke und Modulationen als Projektionsfläche, eher ein lebender Organismus des Faltens als eine ausgeklügelte Methode. Dabei hat Hantaï dieses Verfahren bis an seine äußersten Grenzen gebracht. Die Leinwand wird von ihm als Fabel aus textilen Objekten präsentiert, als Netz, Masche, Schürze, Falte, Lappen, Leichentuch usw. So wird die Entstehung des Bildes, seine Bespannung bis hin zur allgemeinen Sternenbildung erzählt, die Hantaïs Malerei unserem Blick aufzwingt. Für sein Gespräch mit Georges Didi-Huberman hat der Maler mit seinem jahrelangen Schweigen gebrochen. Sternensplitter ist nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Kunsttheorie der Gegenwart, sondern stellt auch einen Künstler vor, dessen kaum bekanntes und ungemein anregendes Denken und Werk in Deutschland erst noch zu entdecken ist.